Pressestimmen
t.b.c.
Standard, 19. März 2009 – Andreas Felber
Jazz im WUK
Posaunenchöre, Akzentlawinen
JazzWerkstatt Wien präsentiert sich zum 5. Mal im WUK
Wien – Natürlich stehen auch wieder die berüchtigten “Acht Schätze” , gebraut aus ebenso vielen, zumeist alkoholträchtigen Flüssigkeiten, auf der Getränkekarte: Die JazzWerkstatt Wien ist dieser Tage erneut ins WUK zurückgekehrt, an den Ort, an dem vor vier Jahren alles begonnen hat.
Damals, im März 2005, hatte sich das Kollektiv junger Bandleader auf Initiative von Pianist Clemens Wenger erstmals selbst der Öffentlichkeit präsentiert. Mit Erfolg, wie man weiß: Der frisch-frechen Scheuklappenlosigkeit, mit der sich die Youngsters auf die Tradition beziehen und selbige im Dienste des individuellen Ausdrucks wieder über Bord werfen, war es geschuldet, dass Einladungen zu nationalen und internationalen Jazzfestivals einlangten. Die Idee, sich im Sinne der Eigeninitiative zu kollektivieren, machte in Graz, Bern und Berlin Schule.
Um allfälliger Routine vorzubeugen, wurde 2009 die Programmierung der WUK-Projekttage an drei noch jüngere Spunde – Leo Riegler, Georg Vogel, Nika Zach – übergeben. Wo man trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) den Eindruck gewinnen konnte und kann, dass sich der kleine Hype um die JazzWerkstatt wieder etwas gelegt hat. Wo in den letzten Jahren oft kaum ein Sitz zu ergattern war, kann man dieser Tage bequem die Hörperspektive wählen. Und: Wirklich frische, originelle musikalische Ideen waren zumindest an den vom Rezensenten besuchten Abenden nicht zu vernehmen. Viel Energie hingegen sehr wohl:
War es im Trio des erneut durch expressive saxofonistische Ausbrüche beeindruckenden Wolfgang Schiftner – mit Bassist Matija Schellander – der erst 20-jährige Schlagzeuger Lukas König, der sich mit kraftvoll pulsierendem, polyrhythmischem Spiel für höhere Aufgaben empfahl, so konnte im Quartett des wahlitalienischen US-Saxofonisten Dan Kinzelman – als Gast geladen – ein weiterer Trommler überzeugen: Armando Sciommeri befeuerte das hörenswert zwischen West-Coast- und Ornette-Coleman-Einflüssen changierende Quartett mit stimulierend vielfärbigen, dabei treibend harten Akzentlawinen.
Nicht ganz am Punkt, etwas unschlüssig zwischen strengem Kollektivsound und individueller Linienentwicklung wechselnd, war hingegen die Musik des Wahl-Kölner Quartetts “Bintobone” in der Besetzung mit zwei Posaunen (Daniel Riegler, Matthias Muche) und zwei Soundelektronikern (Leo Riegler, Sven Hahne). Dieses Konzert erlebte seine spannendsten Momente, als die Zirkularatmungsdrones der Posaunisten elektronisch zu vielstimmigen Chören multipliziert wurden.
Standard, 12. März 2009 – Andreas Felber
Letzten Herbst haben sich nun auch in Berlin acht junge Bandleader zusammengeschlossen. Ja, die Idee der JazzWerkstatt Wien mach weiterhin Schule: Anlässlich der vierten Projektwoche im WUK hat das Gründungssextett um Clemens Wenger das Kuratoren-Szepter an die nächste „Generation“ weitergereicht: Sängerin Nika Zach, Pianist Georg Vogel und Soundelelektroniker Leo Riegler zeichnen für das Programm verantwortlich, das Gäste aus Rom, New York, Köln und London inkludiert. Den Auftakt gestaltet morgen, Freitag, allerdings das Trio Weiße Wände um die arrivierten Herren Karl Ritter (git) und Christian Rainer (Textimprovisation), Samstag präsentiert das Wien-Kölner Quartett Bintobone mit Leo und Daniel Riegler seine Debüt-CD.
Kurier, 15. Februar 2009 – Michael Huber
Auch Improvisation kann ein Markenprodukt werden
Jazzfestival – Fünf Jahre gibt es die Wiener „JazzWerkstatt“ nun schon: In dieser Zeit hat der Verbund junger, engagierter Musiker ein neues Qualitätssiegel für heimischen Jazz etabliert. Unter der Dachmarke „JazzWerkstatt“ erscheinen CDs, werden Ensembles gebildet, Workshops abgehalten und Musiker-Austauschprojekte realisiert.
Das Herzstück bleibt aber das neuntägige Festival, das heuer vom 13. – 21. März im Wiener WUK stattfindet. Obwohl das Werkstatt-Budget dank 34.000 € an Förderungen angestiegen ist, sei der Großteil der Organisationsarbeit weiter „schlecht bis nicht bezahlt“, erklärt Werkstatt-Kopf Clemens Wenger. Für das Festival im WUK hat heuer ein dreiköpfiges Kuratoren Team 20 Acts gebucht, die sich teilweise speziell für den Anlass formieren: In der Gruppe „Andante Sostenuto“ spielt am 15.3. die Saxofonistin Viola Falt, am 17.3. improvisieren Alwynne Pritchard (Gesang) und Judith Unterpertinger (Piano) über Themen von John Cage. Dass die Proben untertags öffentlich zugänglich sind, ist bereits Werkstatt-Tradition. Heuer werden zudem Video- und Tonaufnahmen der Proben als Ausgangsmaterial für eine Multimedia-Performance verwendet. (19.3.)
skug magazine, April 2007 – Stephan Sperlich
JAZZWERKSTATT 2007
Kein Veranstaltungshinweis. Kein Labelportrait. Und schon gar keine Projektvorstellung.
Sondern bloß eine Lobeshymne auf eine der bemerkenswertesten Initiativen seit Jahren im Wiener Musikleben. Denn der output der Jazzwerkstatt ist in Qualität und Quantität schier unglaublich.
2004 von den sechs Musikern Clemens Wenger, Daniel Riegler, Wolfgang Schiftner, Bernd Satzinger, Peter Rom und Clemens Salesny gegründet, hat die Jazzwerkstatt eine atemberaubende Dynamik entwickelt und kann mittlerweile bedenkenlos als DIE Plattform für junge MusikerInnen aus Jazz und Improvisation in Wien bezeichnet werden. Den Hans-Koller-Preis als „Newcomer des Jahres 2006“ hat das Kollektiv hochverdient gewonnen. Natürlich schlägt ein derart erfolgreiches Konzept unweigerlich Wellen. So gibt es bereits in Graz (26. bis 31. März, gleich im Anschluss an Wien), Bern und München Initiativen nach dem Wiener Vorbild, Networking inkludiert.
Unaufhörlich wächst der Katalog des angeschlossenen labels Jazzwerkstatt Records, auf dem neben den CD/DVD-Dokumentationen der Festivals auch exquisite Solo-releases wie das Peter Rom Trio, Falb Fiction, Clemens Salesny/Clemens Wenger, Fuzz Noir, die unlängst hier besprochene Maja Osojnik und zuletzt Bernd Satzinger´s Wurschtsemmerl erschienen sind.
Und: Zum dritten Mal gibt nun es fast den ganzen März lang täglich 2 bis 3 Konzerte im WUK, von denen ich hier keine herausheben kann und will, weil a) die Werkstatt bei Redaktionsschluss noch im vollen Gange war und b) ohnehin ausnahmslos alles von verläßlich hoher Qualität ist. Beteiligt sind, wenn ich mich nicht verzählt habe, 153 KünstlerInnen… Schon aus dem Programm lassen sich erfreuliche stilistische Offenheit und Emanzipation vom „klassischen“ Jazzbegriff ablesen. Die enorme Bandbreite reicht von mehr oder (meistens) weniger klassischen Jazzcombos über Bigband- und Streichquartettabende bis zu hochabstrakten und noisigen Ensembles. Und das alles bei freiem Eintritt… Beinah ärgerlich wie viel man da zwangsläufig versäumt wenn man nicht gerade im WUK wohnt.
Möge uns die Jazzwerkstatt noch lange erhalten bleiben.
Krone, 25. März 2007 – Verena Kienast
Jazz-Szene
JAZZWERKSTATT:
Als Kooperative zur professionellen Förderung der jungen heimischen Jazzmusiker vor drei Jahren gegründet, hat sich die Jazzwerkstatt Wien mittlerweile bestens etabliert, und zwar über Österreichs Grenzen hinaus: Mit Einladungen zu Festivals und unterschiedlichsten Kooperationen und nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Hans Koller Preis für den Newcomer des Jahres – alle 160 Mitglieder! Und auch die Stadt Wien hat den Verein mittlerweile als zumindest ein bisschen – förderungswürdig erachtet. Den März über stand nun der dritte Durchgang der Konzertveranstaltungsreihe im Wiener WUK auf dem Programm:
24 Tage lang präsentierten unter den sechs künstlerischen Leitern – Clemens Wenger, Daniel Riegler, Wolfgang Schiftner, Bernd Satzinger, Peter Rom und Clemens Salesny – 49 Formationen ihre höchst vielfältigen künstlerischen Projekte. Von der Electric Band über das klassische Jazztrio bis zum Streichquartett und der Jazzwerkstatt Bigband, aber auch mit anderen Kunstsparten, etwa Lesungen und Tanz.
Die Nachmittage standen jeweils im Zeichen der Proben und Erarbeitung, am Abend folgten zwei oder drei Konzerte. Das alles bei freiem Eintritt und für die Künstler ohne Gagen aber unter qualitativ hochwertigen Rahmenbedingungen. Und der Erfolg macht sicher! Die Aktivitäten der JazzWerkstatt Wien werden ab sofort ausgeweitet: Internationale Vernetzungen mit anderen Jazzwerkstätten , Workshops und künstlerischen Kooperativen sind geplant; mittlerweile liegen acht CDs des eigenen Plattenlabels JazzWerkstatt Records vor. Und zum ersten Mal wird es nun auch in Graz eine JazzWerkstatt geben: Start in Graz ist heute, 25. März. Die Werkstatt dauert bis 31. März.
Alle Infos: www.jazzwerkstatt.com
Der Standard, Printausgabe, 24./25. März 2007 – Andreas Felber
Die Marktlückenfüller
Das Erfolgsprojekt JazzWerkstatt Wien: Ein Gespräch mit den Mitbegründern der Initiative über Erfolge, strukturelle Defizite und die Situation von Jazzmusikern
Wien – Neulich, im WUK: Trauben junger Menschen, deren Aufmerksamkeit sich auf zwei ebenso junge Saxofonisten auf der ebenerdigen “Bühne” richtet, die sich dort die Seelen aus den Leibern spielen. Clemens Salesny und Wolfgang Schiftner türmen, angetrieben von Trommler Thomas Froschauer, brennend intensive Geräuschklänge auf. Wenig später, am selben Abend: Acht Musiker wiegen sich in den dampfen – den Free-Rock-Funk-Sounds, in de nen, von Salesny gelenkt, Miles Davis’ berühmter “Tribute To Jack Johnson” wiederaufersteht – heftig akklamiert von der Zuhörerschaft; ein Abend, wie man ihn seit einer Weile regelmäßig im WUK erleben kann.
Die JazzWerkstatt Wien hat zum dritten Mal ihre Pforten geöffnet, lädt bei freiem Eintritt zu Proben und Konzerten – unter, verglichen mit 2005, geänderten Vorzeichen freilich, als das von Pianist Clemens Wenger initiierte, noch unbekannte Sechserkollektiv erstmals seine Zelte an der Währinger Straße aufschlug. Zwei Jahre, einen Hans-Koller-Preis, acht Tonträger auf dem Werkstatt-eigenen Label und zahlreiche Einladungen auf Festivals später ist die musikalische Do-it-yourself-Initiative das Thema der Jazzszene.
“Anfangs wollten wir einfach nur unsere im Probenkeller erarbeitete Musik aufführen, ihr öffentliche Beachtung verschaffen. Es war nicht abzusehen, welche mediale Wahrnehmung das haben würde – auch nicht, dass damit der Aufbau einer Infrastruktur, von Label und Vertriebsnetz, verbunden ist”, so Bassist Bernd Satzinger, der mit seinem tatsächlich “Wurschtsemmerl” benamsten Trio soeben sein CD-Debüt als Leader auf JazzWerkstatt Records vorgelegt hat, und der sich mit seinen Aussagen im Einklang mit den zum Interview geladenen Kollegen Daniel Riegler und Peter Rom weiß (das Kollektiv komplettieren die genannten Herren Salesny, Schiftner und Wenger). Auch unter anderen jungen Musikerschaften haben die Wiener Schule gemacht, in München und Bern denkt man über ähnliche Netzwerke nach, in Graz findet bald erstmals eine eigene, einwöchige JazzWerkstatt statt.
Ob dieser neue alte Trend hin zu Selbstinitiative auch den Startbedingungen der jungen Jazzer-Generation von heute geschuldet sei? “In den 70ern war es noch so, dass ein Künstler versucht hat, bei einer Plattenfirma unterzukommen, diese Frage stellt sich bei Musik, wie wir sie machen, heute praktisch nicht mehr. Zudem gibt es heute irrsinnig viele Musikschaffende mit guter Ausbildung”, so Gitarrist Peter Rom, der mit seinem Trio Punk, Noise und Jazz fusioniert.
Der satte Markt
Er spricht damit implizit ein Problem an, das Rainer Schulze in der FAZ kürzlich auf die provokante Formel “Der Markt ist gesättigt” gebracht hat: Immer mehr gut ausgebildete Jazzer träfen auf ein stagnierendes (in Österreich immerhin langsam wachsendes) Publikumspotenzial, während immer noch überproportional viele Mittel in die Reproduktion historischer Musik flössen.
Auch in der wirtschaftlich zurzeit besser gestellten Alpenrepublik ist die Lage für junge Musiker alles andere als rosig: Schlanke 9000 Euro beträgt das Budget für die JazzWerkstatt-Wochen 2007, 5000 schießt die Stadt Wien zu, das ehrenamtlich werkende Leitungskollektiv (sämtliche Musiker treten ohne Gage auf) ist froh, wenn es kein Geld aus eigener Tasche zuschließen muss.
Posaunist und Komponist Daniel Riegler, der u. a. die Bigband Studio Dan leitet und im Klangforum Wien arbeitet, präzisiert die Stoßrichtung: “Die JazzWerkstatt ist kein Club, kein Festival, sondern eine Infrastrukturmaßnahme – eine Plattform für Leute zwischen Universität und freiberuflichem Leben, die bisher gefehlt hat.”
Ergo sei eine ganzjährig bespielbare Probebühne, auf der Projekte unter professionellen Bedingungen reifen könnten, “definitiv ein langfristiges Ziel”, so Riegler. Dass es an mit Ideen und Energien ausgestatteten Talenten dafür nicht mangelt, das beweist die JazzWerkstatt noch heute, im WUK.
www.standard.at, Feb. 2007 – Georg Bacher
Öffentlich jammen und experimentieren: Die Wiener Jazzwerkstatt
Das junge österreichische Musikerkollektiv lädt zum dritten Mal in- und ausländische Gäste zu Proben und Konzerten ins Wiener WUK
Wien reiht sich neuerdings ganz zu Recht unter die europäischen Jazzstädte. Und zu einer lebendigen Jazzszene gehören in Wien nicht nur die Konzerte international renommierter Musiker in Porgy & Bess, Birdland oder Konzerthaus, sondern vor allem auch die jungen Musiker der Stadt. Zu einem fixen Bestandteil dieser jungen lebendigen Wiener Jazzszene gehört mittlerweile das Musikerkollektiv JazzWerkstatt, 2006 mit dem Hans Koller Preis “Newcomer of the Year” ausgezeichnet.
In der Wiener Kulturpolitik spiegelt sich der Stellenwert des Jazz allerdings nicht wieder. Statt sich lange zu beschweren über mangelnde Subventionen zu beschweren, nahmen die Musikhochschulabsolventen der JazzWerkstatt die Sache selbst in die Hand. 2004 gründeten sie, inspiriert vom berühmten “Workshop”-Konzept des Bassisten Charles Mingus, den Verein, der heute 160 Mitglieder zählt. Initiatoren und künstlerische Leiter des Projektes sind die Musiker und Komponisten Clemens Wenger, Daniel Riegler, Wolfgang Schiftner, Bernd Satzinger, Peter Rom und Clemens Salesny.
Konzerte im WUK bei freiem Eintritt
Heuer findet schon zum dritten Mal (1. – 24. März) im Projektraum des Wiener WUK eine intensive Probe– und Konzertphase der JazzWerkstatt statt. Am Nachmittag wird in öffentlich zugänglichen Proben ein Konzertprogramm für den Abend erarbeitet, wobei stets mehrere Sets unterschiedlicher Ensembles zu hören sind. Jeder der sechs künstlerischen Leitern ist für das Programm von vier Tagen verantwortlich, darüberhinaus werden auch heuer wieder einige interessante Gäste aus den Bundesländern und dem Ausland erwartet. Da die Musiker bei freiem Eintritt spielen, gibt es auch keine Gage – Spenden sind daher sehr willkommen.
2006 reichte das Programm der JazzWerkstatt weit über die Veranstaltungen im WUK hinaus: Es fanden Konzerte in mehreren Bundesländern, beim Jazzfest in Wiesen, bei den Inntönen, beim Jazz Festival Moers in Deutschland oder auch im Wiener Porgy & Bess statt. Nachahmung hat das Projekt auch in Graz gefunden, wo fast direkt im Anschluss (26. – 31. März) eine Jazzwerkstatt im Theater am Ortweinplatz stattfinden wird. Aber auch in Bern hat man sich die Jazzwerkstatt zum Vorbild genommen: Das entsprechende Festival soll dort im Februar 2008 stattfinden.
Aufnahmen unter eigenem Label
Eine “Werkstatt” zum austoben, experimentieren, zum erproben, austauschen und erarbeiten improvisierter Musik will man sein. Das Ergebnis dieses offenen Prozesses ist ein kreativer neuer Zugang, der über das engere Verständnis von Jazz weit hinausgeht. Bisher sind acht CDs unter dem 2005 gegründeten eigenen Label erschienen. Das Besonder der Aufnahmen ist, dass es sich fast ausschließlich um Eigenkompositionen und Improvisationen der Musiker handelt. Es sind experimentierfreudige, bunte und oft sehr humorvolle Stücke ohne Berührungsängste zu elektronischer Musik oder Rock. Zuletzt erschien eine neue CD/DVD mit den Höhepunkten der “JazzWerkstatt 2006”.
Jazzfestival Münster – Pressemeldung – Ansgar Bolle
“Radio Jazz Research” tagt im Vorfeld des 21. Internationalen Jazzfestivals in Münster
Österreich und der Jazz
Münster (SMS). Bevor beim 21. Internationalen Jazzfestival Münster die
Musiker aufspielen, wird über Musik geredet. Der im Juni 2006 gegründete
Verein “Radio Jazz Research” tagt am 4. und 5. Januar in Münster, direkt vor dem Jazzfestival am ersten Januar-Wochenende 2007.
Namhafte Journalisten und Radiomacher, Jazzforscher, Club- und
Festivalorganisatoren von “Radio Jazz Research” haben die Tagung unter das Motto ”Österreich” gestellt. Der Verein hat Vertreter aus dem Alpenland eingeladen, um gemeinsam Themen und Aspekte der österreichischen und der deutschen “Jazzlandschaften” zu diskutieren. Es geht um Jazzclubs (Porgy & Bess in Wien und Bunker Ulmenwall in Bielefeld) und europäische Jazzfestivals (Inntöne Diersbach und m¦rs festival) im Vergleich, um die Stellung der Jazzredaktion im öffentlich-rechtlichen Österreichischen Rundfunk und um die “JazzWerkstatt Wien”, die für frischen Wind in Österreichs Jazzszene sorgt.
Was weiß man hierzulande überhaupt über österreichischen Jazz? Zunächst fällt einem wohl der in Wien geborene Joe Zawinul ein, der seit Ende der 50er-Jahre zu den wenigen Europäern gehört, die sich auch in den USA als Jazzmusiker durchsetzen konnten. Oder das Vienna Art Orchestra, dem der Schweizer(!) Matthias Rüegg vorsteht. Aber auch: Wenn in den 50er- und 60er-Jahren im Ausland auf die deutsche Szene geschaut wurde, sprach man dort oft vom “Kollerland” – wegen des österreichischen Saxofonisten Hans Koller.
Tatsächlich ist die Entwicklung beider Szenen vergleichbar: Musiker, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Army-Clubs Jazz spielten, das darauf folgende Kopieren der US-amerikanischen Vorbilder, die “Kaputtspielphase” durch den Free Jazz, die postmodernen Experimente seit den 70er-Jahren und das kreative Erforschen des eigenen kulturellen Umfeldes.
www.jazzthing.de
Live Tipp: Nebenreihen moers festival
Beim diesjährigen mœrs festival am Pfingstwochenende, für das Reiner Michalke zum ersten Mal künstlerisch verantwortlich zeichnet, lohnt nicht nur ein Blick auf das Hauptprogramm im Festivalzelt. Auch die „Nebenschauplätze“ sind mit ihren Konzerten spannend und interessant. In „the morning“ stellen sich drei regionale Jazz-Szenen vor: Der libanesische Trompeter und Leiter des IRTIJAL-Festivals, Mazen Kerbaj, kommt mit arabischen Musikern ebenso nach Moers wie ein Sextett der österreichischen Talentschmiede Jazzwerkstatt Wien und das multimediale Kollektiv Frischzelle aus Köln.
www.sperrstunde.at
Die junge Wiener Jazzgilde setzt sich selbst in Szene
Schon seit letztem Donnerstag, den 16.03.06 und noch bis 08.04.06 findet sie zum zweiten Mal statt:
die JazzWerkstatt im Wiener WUK. Von Clemens Wenger zusammen mit Clemens Salesny, Wolfgang Schiftner, Daniel Riegler, Bernd Satzinger und Peter Rom im November 2004 ins Leben gerufen wurde dieser Verein – in Anlehnung an Charles Mingus’ Jazzworkshop – um sich selbst und anderen jungen, aufstrebenden Musikern ein Forum zur Präsentation der eigenen Ideen und eben auch Werkstatt zum musikalischen Experimentieren zu sein. Ausgabe Nummer eins konnte letztes Jahr in vier Wochen im März/April mehr als 2000 Leute ins WUK locken, mehr als 60 Musiker konnten sich in verschiedensten Konstellationen, fixen oder spontanen Zusammenstellungen zu Gehör bringen. Die öffentlich zugänglichen Proben finden Nachmittags, jeden Abend Konzerte statt, alles bei freiem Eintritt. Ein eigenes Label, JazzWerkstatt Records, wurde gegründet, der erste Release ist ein Querschnitt durch eben dieses erste Festival. Auf zwei CDs gepresst finden sich Liveaufnahmen, fast ausschließlich Eigenkompositionen/Improvisationen. Das Spektrum der verschiedenen Beiträge ist so vielfältig wie es die Vielzahl der Musiker vermuten lässt: Die Besetzungen spannen sich vom typischen Jazztrio übers Kontrabassquintett bis zum großen Ensemble mit jazzigem, klassischem und elektronischem Instrumentarium.
Es groovt, es kitscht, es rasselt, es knistert, es stört, es passt, es trommelt, es bläst, es knallt, es spricht, es singt, es scracht, es swingt, es rockt, es vibriert, es fährt ab, es klatscht, es klappt.
Die Musiker unterstreichen, wie viel Potential die junge österreichische Jazzszene hat, und vor allem, wie vielfältig und breit der Begriff Jazz interpretiert und ausgelebt werden kann.
Inzwischen sind es der Releases fünf, manche der Acts auf dem Weg der ernsthaften Etablierung, das zweite Festival ist gerade am laufen (übrigens, ich muss gleich gehen…) und die Werkstatt am werkeln und funkeln. Und vielleicht geht ja auch noch der auf der Homepage geäußerte Wunsch in Erfüllung:
Dies könnte im Idealfall andere junge Künstler (z.B. in den Bundesländern, bzw. Landeshauptstädten mit Musik und Kunstbildungsstätten) zu einer Übernahme oder Adaption (auch für Literatur, bildenden Kunst, Theater, usw.) dieses Veranstaltungsprinzips inspirieren.
Möge die Inspiration gelingen!
www.kurier.at, 31. März 2006
Nun ist es ein Jahr her, dass sich junge MusikerInnen, Komponisten, DJs zur JAZZWERKSTATT WIEN, zusammenschlossen: 60 heimische MusikerInnen und Komponisten sind 2005 angetreten um die Königsdisziplin “improvisierte Musik” vom Staub der Geschichte zu befreien und ihre Zukunft gleichermassen selbst in die Hand zu nehmen. Für 2006 hat man sich Besonderes vorgenommen: Nicht nur, dass die Zahl an Musikern nun auf 98 angestiegen ist, werden diesmal 58 Programmpunkte für noch mehr Abwechslung sorgen. Das Interesse einiger junger MusikerInnen aus München erlaubt es zudem diemal auch verschiedene Szenen miteinander in musikalischen Kontakt treten zu lassen.
www.wienweb.at, 16. 03. 2006 – Denise Riedlinger
Die JazzWerkstatt scharrt in den Startlöchern
Von 16. März bis 8. April trifft sich die junge Jazzszene Wiens nach dem erfolgreichen letztjährigen Debüt täglich zum gemeinsamen Spiel. Am Abend gibt es jeweils zwei Ensembles zu hören. Jeden Abend, mehr als drei Wochen lang, kann man so kräftig in die junge, und nicht mehr ganz so junge Szene hinein schnuppern. Am Eröffnungsabend wird im WUK auch ein kleiner Film über die erste JazzWerkstatt letztes Jahr gezeigt. Musikalisch werden Christian Grobauer´s Schwermetall Oktett und Marynade, die Formation rund um die Sängerin Maria Augustin aufspielen. Mit von der Partie sind auch jene sechs, die das Event ins Leben gerufen haben, allen voran der Pianist Clemens Wenger. Er fand in Clemens Salesny, Wolfgang Schiftner, Daniel Riegler, Bernd Satzinger und Peter Rom Verbündete für seine Idee des “Open Workshop”. Wer wissen will, was und wer in Wien den Jazz bewegt, kommt an der Werkstatt nicht vorbei.
jazzzeit Nr. 59, März – April 2006 – Heike Kappes
Ab 16. März bis 8. April ist es wieder soweit!
JazzWerkstatt die Erste (Zur Erinnerung):
Auf Initiative von Daniel Riegler, Peter Rom, Clemens Salesny, Bernd Satzinger, Wolfgang Schiftner und Clemens Wenger trafen sich vom 21. März bis 17. April 2005 ca. 30 junge JazzmusikerInnen im WUK um tagsüber gemeinsam zu proben und die Ergebnisse anschließenden in einer abendlichen Konzertreihe zu präsentieren. Es war das erste Projekt eines Konzeptes, das über diese Veranstaltung weit hinausgeht, sei es als neuer Ansatz sich eine breitere Öffentlichkeit und eine neue Publikumsschicht zu erschließen, sei es als künstlerisches Netzwerk auch zur Begegnung mit anderen Kunstformen.
Die Veranstaltung im WUK war so erfolgreich – an allen Tagen wurde heftigst zur Freude von Künstlern wie auch Publikum musiziert, die Stimmung war kreativ und inspirierend und das Medienecho erfreulich -, dass nachher frohen Mutes weiter gewerkelt wurde. Eine JazzWerkstatt-Reihe im Porgy & Bess, bei der auch gleich ein Mittschnitt des Events als Doppel-CD auf dem neu gegründeten JazzWerkstatt-Label präsentiert wurde, erfolgte noch im Frühsommer, immer wieder präsentierten sich an verschiedenen Orten Formationen aus der JazzWerkstatt, in Graz fand an drei Tagen die JazzWerkstatt Graz mit großem Erfolg statt, und der qualitative als auch zahlenmäßige output des Labels kann sich hören und sehen lassen. Für die kommende Festivalsaison sind schon einige Termine fixiert (Inntoene Festival, Jazzfestival Moers), auf der jazzahead-Messe in Bremen wird sich die JazzWerkstatt präsentieren…
Aber First of All:
Vom 16. März bis 8. April wird das WUK wieder der Platz für den jungen, avancierten Jazz in Österreich sein: Das Gruppenbild des heurigen Jahres auf der vorherigen Seite zeigt mittlerweile nur einen Teil der teilnehmenden KünstlerInnen. „Bei 98 haben wir aufgehört zu zählen“, so Clemens Wenger. Zudem zieht sich der Kreis erstmals auch über Österreich hinaus: Ulrich Wangenheim (Tied & Tickled Trio) kommt mit Kollegen für ein paar Tag von München nach Wien gedüst. Dementsprechend erstaunt es nicht, dass es heuer doppelt so viel Programm geben wird, mindestens zwei Sets unter der Woche, an den Wochenenden können es auch drei bis vier Sets werden. Bandnamen und Programmtitel wie “Schwermetall Oktett”, “Dancing Stars”, „...interpretieren österreichische Volksweisen”, “Duo Gargamehl”, “The World’s Greatest Jazzband”, ”? trio feat. Darth Vader”, “Düsnjäga – WurmGeschwader vs. P.Jentfritzichs” oder “East of the Pummerin” und “Massage Sauvage – gegen ueble Verspannungen” verweisen auf ein großes musikalisches Spektrum – und darauf, dass der Spaß für niemanden zu kurz kommen wird.
Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei, Spenden werden gerne entgegengenommen und sind gut angelegt, denn bisher wird hier alles „ehrenamtlich“ gemacht und die heuer beantragten Förderungen werden erfreuen aber eher frei nach Charles M. Schulz ausfallen. (ka)
Falter 11/06, März 2006 – Klaus Nüchtern
Jeder jazzt mit jedem
Mit Enthusiasmus und eigenem Geld organisiert die Jazzwerkstatt zum zweiten Mal ein mehrwöchiges Festival im Wuk. Um die Zukunft des heimischen Jazz muss man sich keine Sorgen machen.
Ob Charlie Parker wohl eine Pressekonferenz abgehalten und bei dieser stolz die Plastiksackerln jener Läden vorgezeigt hätte, in denen seine Platten verkauft werden? Man kann es sich eher nicht so gut vorstellen. Aber wenn der Drogenkonsum ab-, der Grad an professioneller Selbstorganisation dafür zunimmt, muss das dem Jazz noch lange nicht zum Nachteil gereichen. Und mit Gejammer über kulturpolitische Ignoranz und kapitalistische Kälte ist in den letzten Jahren, weiß Gott, genug Zeit verbracht worden, die man besser mit Üben oder Adresslistenabtippen verbracht hätte. Genau in diesem Geist, einer charmanten Mischung aus Pragmatismus und Begeisterung, Unsicherheit und Professionalität, Schüchternheit und Selbstachtung, ging unlängst im Café Prückel die Pressekonferenz über die Bühne, in der die Jazzwerkstatt über ihr Festival informierte, das ab 16. März 24 Tage lang im Wuk stattfinden wird.
Das Festival, das am gleichen Ort genau ein Jahr davor stattfand, war die erste öffentliche Nagelprobe der im Herbst 2004 von sechs jungen Jazzmusikern gegründeten Organisation. Und nachdem die Konzerte der insgesamt etwa sechzig Musiker immerhin von rund 2500 Zuhörern wahrgenommen wurden, konnte sich die Jazzwerkstatt sehr schnell als Label profilieren – zu einer echten Labelgründung kam es übrigens einige Monate später (siehe Infobox). Dass der zum Jazzclub umfunktionierte Veranstaltungsraum des Wuk gerade mal fünfzig, sechzig Leute fasst und der Großteil des Publikums immer wieder am Gang Platz finden musste, war zwar tendenziell suboptimal, aber dennoch ein Riesenschritt in die angestrebte Richtung. „Es klingt deppert, aber wenn die Musik einmal nicht im Probenraum verkümmert, sondern auch nur irgendwo auftrifft, ob das nun eine Bar, ein Journalist oder ein Zuhörer ist, dann kommt das mit einer ganz anderen Energie zurück“, formuliert Clemens „Bumpfi“ Wenger die ebenso bescheidenen wie basalen Ansprüche.
Das hört sich ein bisschen so an, als wollten da ein paar Gymnasiastenbands die ersten Schritte aus der elterlichen Garage oder vom Schulabschlussball in eine musikinteressierte Öffentlichkeit wagen. Wahr ist vielmehr, dass es sich bei den sechs Gründungsmitgliedern der Jazzwerkstatt samt und sonders um Vollzeitmusiker (zurzeit auch: Vollzeitzivildiener) handelt, die an der Hochschule studieren und die Zukunft des österreichischen Jazz mitbestimmen werden. „Technisch sind die absolut auf der Höhe“, versichert der Saxofonist und Bandleader Max Nagl, Hans-Koller-Preisträger (1999) und einer der renommiertesten und umtriebigsten heimischen Jazzmusiker der Generation um die vierzig.
Nagl, der seit drei Jahren immer wieder mit Clemens Wenger und dem Multiinstrumentalisten Clemens Salesny (b-cl, saxes, tp) zusammen spielt, schätzt an den um gut zwei Jahrzehnte jüngeren Musikern deren unverkrampfte, von Konkurrenzängsten allem Anschein nach unbeeinträchtigte Offenheit: „Die kennen sich alle von der Hochschule (Universität für Musik und darstellende Kunst, Anm. d. Red.), wo heute mit einem wesentlich weiteren Horizont unterrichtet wird: Die können Funk oder frei spielen, Theatermusik – alles. Meine Generation ist noch aufs Konservatorium gegangen, und das war eher eine Vorbereitung für die ORF-Bigband oder das Orchester des Theaters an der Wien.“
Ähnlich angetan von der Jazzwerkstatt und den unter deren virtuellem Dach versammelten Musikern ist der Schlagzeuger Wolfgang Reisinger, der seit einem Jahr immer wieder die dienstags stattfindenden Sessions im Blue Tomato kuratiert und dorthin auch das gut eingespielte Duo der beiden Clemense (Wenger und Salesny) eingeladen hat. Reisinger, der von 1979 bis 1989 im Jazzdurchlauferhitzer des Vienna Art Orchestra gespielt und sich auch durch seine Zusammenarbeit mit Größen wie Dave Liebman, Jean Paul Celea oder Joachim Kühn international einen Namen gemacht hat, hat an diesen free sessions wieder große Freude gewonnen: „Es ist ja eine alte Jazztradition, und eine gewisse Qualität kommt gerade so zustande – der Wolfgang Puschnig zum Beispiel hat gespielt wie schon lange nicht mehr.“
Diese Sessions sind ein gutes Beispiel dafür, dass der Jazz erstens keine Frage des Alters oder der Generation und zweitens auch keine Frage des Eintrittspreises und des Glamours ist. Fraglos rangiert das Teilzeitmusiklokal, das mit siebzig Konzertbesuchern entschieden an die Grenzen seiner Kapazitäten gelangt, „unter der Präsentationsoberfläche“ (Reisinger) der etablierten Innenstadtklubs wie dem Porgy & Bess oder dem Birdland. Über die Qualität der Auftritte ist damit freilich noch nichts gesagt: So unbeschwerte und entspannt-energiegeladene Jamsessions, wie sie immer wieder über die sechs Quadratmeter große Bühne des Blue Tomato gehen, muss man auch in dem mit Jazzspielorten nicht eben unterversorgten Wien suchen. Ein Highlight dieser zwanglosen Begegnungen fand vor wenigen Wochen statt: Die Jazzwerkstätter Wolfgang Schiftner (sax) und Michael Prowaznik (dr) jammten gemeinsam mit dem Bassisten Hannes Enzlberger, später gesellte sich auch noch der in Wien lebende Saxofonist Sandro Miori hinzu. Dass Schiftner und Prowaznik gemeinsam in der Band Fuzznoir werken (siehe auch Infobox), hörte man dem Zusammenspiel der beiden durchaus an – und dennoch produzierte gerade die spontane Session einen energetischen Output, an den die auf CD gebannte Musik nicht heranreicht. Reisinger ist noch zwei Wochen danach sichtbar beeindruckt: „Der junge Typ (Schlagzeuger Prowaznik, Anm. d. Red.) ist ein Wahnsinn! So wie der spielt, kann er praktisch mit jedem auftreten.“
Der lose Selbsthilfeverband der Jazzwerkstatt, der im Wesentlichen auf dem Prinzip „Konto eröffnen, überziehen, Saal anmieten“ beruht, ist ein schönes Beispiel für eine lebendige Szene, die bislang so gut wie ohne öffentliche Gelder auskommen muss. „Im Bundeskanzleramt haben wir wenigstens einen Termin gekriegt“, erzählt Gitarrist Peter Rom. „Den nehmen wir gerne, was wir aber wirklich bräuchten, sind Förderungen.“ Seitens des Bundes scheiterte eine solche bislang an der angeblich mangelnden „überregionalen Bedeutung“ der Jazzwerkstatt.
Die Stadt Wien ließ überhaupt wissen, man brauche erst gar nicht anzufragen, Geld sei ohnedies keines vorhanden. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny beteuert auf Anfrage des Falter, von einem entsprechenden Finanzierungsansinnen noch nie etwas gehört zu haben und sich die Sache jetzt einmal anzusehen: „Das ist aus dem Zimmer der manchmal vielleicht etwas ruppigen Referentin nicht bis zu mir gedrungen; und wenn es sich in einer Größenordnung von ein paar Tausend Euro bewegt, wird es daran sicher nicht scheitern.“
Das würde die Privatkonten der sechs Werkstättengründer – um sie wenigstens einmal en bloc zu nennen: Peter Rom, Daniel Riegler, Clemens Salesny, Bernd Satzinger, Wofgang Schiftner, Clemens Wenger – gewiss erleichtern. Ein Drittel der 6000 Euro teuren Saalmiete im Wuk – inklusive des Personals – haben die sechs im vergangenen Jahr aus eigener Tasche finanziert: „Wir hoffen, dass wir heuer selbst nichts mehr einzahlen müssen“, erklärt Clemens Wenger und fügt selbstbewusst hinzu: „Wir schaffen dort ja auch Abendbetreuungsjobs für vier Leute – und die werden gut bezahlt.“
Die Auftritte selbst – heuer immerhin an die sechzig, an denen insgesamt rund hundert Musiker partizipieren werden – sind natürlich unbezahlt. „Wir müssen vorher und nachher genug bezahlte Gigs spielen, damit wir uns das leisten können“, erklärt Clemens Salesny. Wobei das mit bezahlten Gigs nicht so leicht ist. Clubs gäbe es – etwa in den Gürtelbögen – genug; nur die verlangen zum Teil Mieten in einer Höhe, die durch die Beteiligung am Kartenverkauf nicht annähernd wettzumachen, geschweige denn zu übertreffen seien. So bleiben eben Brotjobs abseits jeglicher Selbstverwirklichungsambitionen, wobei Bassist Bernd Satzinger konzediert: „Wenn man im Rahmen einer Firmenfeier ,Take the A-Train’ spielt, ist das immer noch nahe genug an unserer Musik.“ Wenger ist da schon weniger genügsam: „Für Hintergrundjazz für weintrinkende Yuppies ist mir meine Musik einfach zu schade. Und gewisse Clubs fallen auch aus: Wenn man im Tunnel vom Personal beflegelt wird, weil man kein Wechselgeld dabeihat, kann man dort auch nicht auftreten.“
„Es blieb uns gar nichts anderes übrig, als das so professionell zu machen, wie es uns möglich ist“, umreißt Daniel Riegler ganz unlarmoyant den Pragmatismus der Jazzwerkstatt. Professionell, das bedeutet zum Beispiel, dass sich seit kurzem der Journalist Martin Gansinger um Presse und Vertrieb kümmert und dass jedes Konzert professionell mitgeschnitten wird. Dreißig, vierzig DVDs mit solchen Aufnahmen wurden bislang archiviert: „Das ist wie bei Frank Zappa“, meint Wenger, „wenn jemand die Ideen ausgehen, kann man damit sehr viel machen – Remixes ohne Ende.“
Mathias Rüegg, als Leiter des Vienna Art Orchestra seit Jahrzehnten mit der Logistik eines professionellen Jazzorchesters vertraut, begrüßt die Initiative zur Selbsthilfe und gibt nur eines zu bedenken: „Solche Organisationen spielen die Rolle der ,Form‘ und sorgen für bessere Bedingungen und mediale Aufmerksamkeit. Für den ,Inhalt‘, also für die Musik, sind aber die einzelnen Musiker ganz allein verantwortlich. Und da besteht manchmal eine latente Gefahr, dass Form und Inhalt verwechselt werden. Wenn man auf der Bühne steht, muss man was abliefern. Und da gelten auch für Jazzmusiker Billy Wilders ,Zehn Gebote‘: ,Erstens: Du sollst nicht langweilen. Zweitens: Du sollst nicht langweilen. Drittens: du sollst nicht langweilen…‘“
Dafür, dass es nicht langweilig wird, sollte während des Jazzwerkstatt-Festivals schon die schiere Menge der Musiker und deren Bereitschaft sorgen, ihre unterschiedlichen Zugänge in immer neuen Kombinationen auszuprobieren – vom Duo bis zur 17-köpfigen Bigband. Wer auftritt, bestimmen die sechs Werkstättenleiter, wobei es weniger ums Kuratieren als ums Vernetzen ginge, wie Daniel Riegler beteuert. Und Peter Rom ergänzt: „Man verwirklicht seine musikalischen Vorstellungen mit dem Personal, das man für geeignet hält.“
An der Originalität dieser musikalischen Vorstellungen hegt Christoph Huber, Betreiber von Wiens wichtigstem Jazzclub, dem Porgy & Bess, keinen Zweifel: „Jemand wie Viola Falb hat einen sehr eigenständigen und persönlichen Zugang. Das Wichtigste aber ist, dass sich das stilistische Denken generell geändert hat. Es gibt heute keine Puristen mehr, die sagen: ,Ich bin Jazzmusiker und steh auf Hank Mobley.’ Die Szene ist extrem durchlässig geworden. Was mir besonders gefällt, ist der leicht anarchistische Zug dieser auch sehr humorvollen Truppe: Die scheiß’n sich einfach nix!“
Anarchisten, die sich nix scheißen und mit dieser Einstellung ein professionell organisiertes 24-tägiges Festival auf die Beine stellen – der österreichische Jazz hätte es gewiss schlechter treffen können.
Der Standard, 17. März 2006 – Andreas Felber
Renaissance der Community – Die junge Wiener Szene findet im WUK in der “JazzWerkstatt” zusammen
Pianist Clemens Wenger und die beiden Saxofonisten Clemens Salesny und Wolfgang Schiftner sorgen für eine Belebung der heimischen Jazzszene.
Wien – “Wenn man als junger Jazzer nach Wien kommt und studiert, hat man relativ gute Möglichkeiten, Leute kennen zu lernen und Dinge auszuprobieren. An der Musik-Uni etwa und, noch wichtiger, auf den vielen Sessions. Wien ist zudem ein Ort, wo es viel Input gibt. Wir müssen nicht nach New York fliegen, um diesen oder jenen Musiker zu hören – wir können z. B. ins Porgy & Bess gehen”, sagt Clemens Wenger. Gemeinsam mit Clemens Salesny und Wolfgang Schiftner scheint er auf den ersten Blick durchaus einzustimmen in die Lobgesänge, die zurzeit in deutschen Magazinen auf die durch ihre Konzertdichte jeden Vergleich bestehende Jazzstadt Wien gesungen werden – unlängst sprach man in Jazzthetik von “Europas Jazzmetropole Nr. 1”. Und doch dürften die drei Mittzwanziger irgendwann gespürt haben, dass für ihresgleichen hier nicht alles eitel Wonne ist. Wenger: “Man lernt sich auf Sessions kennen und probt, probt, probt. Doch die Musik braucht auch Publikum, Feedback – das hat gefehlt. Im ,Porgy’ sind die Sessions immer sehr hilfreich; dort einen Gig zu bekommen, ist kaum möglich.” Also schritt man ganz unösterreichisch zur Tat. Lose von der Workshop-Band Charles Mingus’ inspiriert, gebar Wenger die Idee einer musikereigenen Präsentationsplattform: Gemeinsam mit Salesny, Schiftner, Posaunist Daniel Riegler, Gitarrist Peter Rom und Bassist Bernd Satzinger gründete er Ende 2004 den Verein “JazzWerkstatt Wien”. Salesny: “Wir haben Kollegen gesucht, die alle auch Komponisten und Bandleader sind. Wir wollten keine Standards spielen. Die Idee war, einen Raum zu mieten und zu präsentieren, was es gibt.” Es gab viel zu präsentieren. Der Raum wurde im Wiener WUK gefunden, das man 2005 vier Wochen in öffentlichen Nachmittagsproben und Abendkonzerten beschallte. Wobei es den Musikern und der um sie entstehenden Community nicht um bilderstürmerische Experimente, vielmehr um eine unpuristische Haltung und scheuklappenlosen Blick auf die Jazztradition ging. Zwischen gebundenem und freiem Spiel, zwischen Punk, Elektronik und Noise wurde da nach eigenen Formen für die persönlichen Ausdrucksbedürfnisse gesucht – und diese in erstaunlich reifen Resultaten gefunden, wie auch die Früchte des angeschlossenen Labels Jazzwerkstatt Records demonstrieren: Salesny und Wenger haben dort soeben das formidable Duo-Album Die wilden Jahre vorgelegt, auf dem sich Improvisationen ohne Netz ebenso finden wie Wiener- und Kinderlied-Adaptionen. Schiftner hingegen ist mit dem Trio Kelomat zugange, einer der vielversprechendsten Newcomer-Bands, die die diskursive Stringenz Ornette Colemans und die Cut-up-Technik John Zorns in ein virtuoses, elastisches Setting verpackt. Erfreulicherweise zeigen derlei Umtriebe Wirkung. Heuer wird man bereits auf dem Festival in Moers, einem der bedeutendsten Deutschlands, zu Gast sein. Grund genug, erneut ins WUK zu laden und 80 Musizierende (vom Duo bis zur Big Band) eigene musikalische Gedanken formulieren zu lassen. Ohne Gage, bei freiem Eintritt. Bleibt für Salesny, Schiftner, Wenger und Kollegen zu hoffen, diesmal nicht wieder einen Gutteil des Budgets “aus den eigenen sechs Hosentaschen” zuschießen zu müssen. Und wenn doch? Was wirklich zählt, sei der Community-Gedanke: ” Es entsteht eine besondere Energie”, so Schiftner.
APA (Austrian Press Association), 15. März 2006
Festival der JazzWerkstatt Wien – Rund 60 Acts ab 16. März im WUK
Wien – Österreichs Jazz-Nachwuchs lässt ab morgen, Donnerstag, wieder mit starken Tönen aufhorchen: Zum zweiten Mal lädt die 2004 gegründete Plattform JazzWerkstatt Wien zum Festival ins WUK. Bis 8. April finden rund 60 Acts von über 100 Musikern und Komponisten aus den unterschiedlichsten stilistischen Ecken statt. Vor den Konzerten um 20 Uhr kann man ab 14 Uhr öffentlichen Proben beiwohnen, der Eintritt ist jeweils frei. „Auf dem Programm stehen keine Jazz-Konzerte im traditionellen Sinn, bei denen bekannte Nummern interpretiert werden, sondern ausschließlich Stücke junger österreichischer Komponisten und Improvisationen“, erläuterte Pianist Clemens Wenger, künstlerischer Leiter der JazzWerkstatt Wien: „Die Musiker kommen nicht nur aus dem Jazz, sondern zum Beispiel auch von der klassischen oder elektronischen Musik.“
Inspiration Mingus
Wenger hat 2004, inspiriert vom berühmten “Workshop”-Konzept des Bassisten Charles Mingus, gemeinsam mit den Saxofonisten Clemens Salesny und Wolfgang Schiftner, Bassist Bernd Satzinger, Posaunist Daniel Riegler und Gitarrist Peter Rom die JazzWerkstatt Wien gegründet. Mit Auftritten in wechselnden Formationen und Lokalen und dem ersten Festival voriges Frühjahr im WUK hat die Plattform seither frischen Wind in Wiens Jazz-Szene gebracht und sich bereits einen beachtlichen Namen gemacht. Auch ein eigenes Label gibt es seit vergangenem Jahr. Bei der JazzWerkstatt 2006 programmieren die sechs Gründungsmitglieder jeweils vier der insgesamt 24 Festivaltage. Eröffnet wird mit einem Querschnitt, bei dem nicht nur der WUK-Museums-Saal, sondern auch der Hof und das Stiegenhaus bespielt werden. In der Folge spannt sich der Bogen dann von Soloauftritten über Duos, Trios und Quartette bis zur 18-köpfigen Big Band.
”... or not too big ?”
So steht etwa am 17. März “Christian Grobauer’s Schwermetall Oktett” auf dem Programm. Der 19. März ist der Erinnerung an die kürzlich verstorbenen österreichischen Musiker Harry Pepl (1945–2005) und Bumi Fian (1960–2006) gewidmet, mit Gästen wie Wolfgang Puschnig, Wolfgang Reisinger und Raphael Preuschl. Unter dem Titel “schwoazza frühling” interpretieren am 20. März Clemens Wenger und Clemens Salesny mit Sängerin Angela Reisinger Texte von Artmann, Rühm und Jandl, während am 23. März Bernd Satzinger und Viola Falb (Sax) österreichische Volksweisen einmal anders klingen lassen. Und zum großen Finale am 8. April heißt es dann “JazzWerkstatt – too big or not too big ?” (APA)
Der Standard, 13. Februar 2006 – Andreas Felber
Konserve, live
In der JazzWerkstatt Wien wird gehämmert und gesägt, zwei der neuen Debütalben junger Improvisationstalente harren heute der Live-Präsentation: Gitarrist Peter Rom stellt samt Trio–Kombattanten das Opus „Says Who?“ und damit eine anregende Mixtur aus Noise-Rockigem und Jazzigem vor, die virtuose Altsaxofonistin Viola Falb und ihr Quartett „Falb Fiction“ entführen mit erstaunlicher Trittsicherheit in vielfältige, immer wieder in freie Gefilde ausfransende Jazz-Territorien.
UHUDLA Nr.66, Helmut Rizy
(...) Mittlerweile hat der Auftritt der Jazzwerkstatt im WUK Folgewirkungen gezeigt. Ende Juni/ Anfang Juli gestaltete sie im renommierten Jazzclub Porgy & Bess drei Abende mit jeweils drei Formationen; auch hier mit regem Publikumszuspruch. Bei dieser Gelegenheit wurde die gelungene Doppel-CD vorgestellt, die nicht nur die Spielfreude, sondern vor allem auch die große Vielfalt der Konzepte, die die Jazzwerkstatt in sich vereinigt, dokumentiert. Und Mitte Oktober folgten dann drei Tage in Graz, im ‚Cafe Stockwerk’, ähnlich ausgerichtet wie die Veranstaltung im WUK: Ein Probentag und zwei Tage mit Proben und Konzerten, wobei Grazer und auch Linzer Musiker mit eingebunden wurden. Obendrein werden die Aktivitäten der Jazzwerkstatt von München aus beobachtet, wo man dabei ist, ähnliche Pläne zu schmieden, womit es in Zukunft auch über die Grenzen Österreichs hinaus zu Zusammenarbeit und Gedankenaustausch kommen sollte. (...)
Vor allem aber wirft die ‚Jazzwerkstatt 2006’ ihre Schatten voraus. „Wir haben schon angefangen für den nächsten März zu planen“, erklärt Clemens Wenger. Das Konzept wird in seinen Grundsätzen beibehalten. „Das schaut so aus, dass jeder von uns sechs jeweils vier Tage plant, an denen er entweder selbst etwas macht oder auch jemand anderen einlädt, der das Programm bestreitet. Zum einen gibt es Ensembles, die schon bestehen, aber es wird auch wieder komplett Neues zur Aufführung gebracht werden, das im Vorfeld noch entwickelt werden muss. Manche Gruppierungen – wie ‚Kelomat’ – laden für ihren Abend Gäste ein.“
„Wir sind keine Anlaufstelle für Bands, die spielen wollen“, schränkt er sogleich ein. „Was wir geschaffen haben, ist ein Pool von Musikern, die bereit sind, im Rahmen der Jazzwerkstatt mitzuarbeiten. Das sind zumeist Musiker unserer Generation, aber auch ältere. Da gibt es einem Zusammenhalt. Im WUK hat es natürlich keine Gagen gegeben, aber es ist jeder gern gekommen. Für junge Musiker ist es viel wert, wenn man wo gut auftreten kann; und eine adäquate Probensituation vorfindet, in der man gemeinsam etwas erarbeitet. Das will eigentlich jeder. – Und es geht darum, selbständig Musik zu machen, nicht irgendwelche Standards nachzuspielen; auch wenn mir das unter Umständen gefällt. Aber das ist nicht der Sinn der Jazzwerkstatt. Gemeinsamer Nenner ist: Eigenkomposition und Improvisation. Wo sich das dann unter dem großen Übernamen Jazz einreiht, ist nicht so wichtig.“
Und Wolfgang Schiftner: „Es ist uns wichtig, dass da eine Einstellung dahintersteht; gewissermaßen eine Lebenseinstellung. Werkstatt beinhaltet: Ständig daran zu arbeiten; und nicht, Vorgefertigtes zu reproduzieren. Jeder soll machen, wovon er überzeugt ist. Und es beinhaltet: Experimente zu wagen. Manches hat man vielleicht schon gehört, aber man muss auch manches für sich erfinden.“
Man kann also gespannt auf den kommenden März sein; und sich mit den CD-Produktionen bis dahin über die Runden helfen.
Porgy & Bess – Programmheft, Mai 2005 – Christoph Huber
(...) Lobendes muss über die jungen Kräfte der austriakischen Jazzszene gesagt werden: Nicht das ständige Lamentieren über fehlende Auftrittsmöglichkeiten und das Jammern über nicht verstehen wollende Veranstalter zeichnet die „twenty something“ Musiker hierzulande aus, sondern eigeninitiatives (Re-) Agieren. So okkupierte ein loses Kollektiv um die Herrschaften Schiftner, Salesny, Riegler, Rom, Satzinger und Wenger einen Raum im WUK und rief die sog. „Jazzwerkstatt“ aus – mit täglichem Programm über den Zeitraum eines Monats hinweg! Nebenbei bemerkt: Aus ähnlichen Musiker-Initiativen heraus entstanden (bis heute bestehende) Organisationen wie die „Association for the Advancement of Creative Musicians“ (AACM), „The Jazz Composers’ Orchestra Association“ (JCOA), die „Black Artists Group“ (BAG) oder der holländische „Instant Composers Pool“ (ICP). Sie sehen, es bewegt sich einiges in dieser Stadt in Sachen Improvisation (...)
Der Standard, 29.06. 2005 – Andreas Felber
Tage der Werkstatt
Wien als „Jazzmetropole“ – die Umtriebe der ortsansässigen Musiker-Basis
Woran misst man die Lebendigkeit einer Musikszene? Zuallererst wohl aus den Ideen, die aus ihr selbst kommen. So erfreulich es ist, wenn Wien zurzeit in verschiedenen deutschen Magazinen als „Jazzmetropole“ abgefeiert wird – wirklich mit Inhalten füllen dieses Schlagwort erst die Umtriebe der ortsansässigen Musiker-Basis. Und damit auch und vor allem der Nachwuchs, der so genannte. Denn Daniel Riegler, Peter Rom, Clemens Salesny, Bernd Satzinger, Wolfgang Schiftner und Clemens Wenger, die Initiatoren der JazzWerkstatt Wien, sind keine Nobodys mehr. Was Mut macht: Ihnen geht es nicht um das Nachspielen alter Standards, sondern darum, sich jenseits aller stilistischen Reinheitsgebote selbst kreative Ventile zu schaffen. Und Jazz weniger musikalisch denn als „Haltung“ zu definieren.
VOR-magazin, April 2005 – Wolfgang F. Rauscher
Ambitionierte Jazzszene
Wiens Jazzszene macht von sich reden: Die JazzWerkstatt Wien bietet jungen Musikern eine Plattform für ihre Kreativität.
JazzWerkstatt Wien – das klingt nach Arbeit! Und wie: noch bis zum 17. April gibt es im WUK ein Projekt, das in seiner Art nicht nur höchst rar ist, sondern auch beweist, wie vielfältig, qualitativ hochstehend und nicht zuletzt ambitioniert unsere junge Jazzszene in Wien ist, werkt und wirkt. Ca. 30 Musiker erstellen an 24 Tagen Projekte, die noch am selben Abend konzertant aufgeführt werden, die Protagonisten arbeiten nur mit eigenen Kompositionen und Arrangements. Jazzfreunde, Musikfreunde und jene, die es werden wollen, sind eingeladen, sich das Abenteuer Musik in dieser sehr ursprünglichen Form zu gönnen. Der Verfasser ist mittlerweile Stammgast und von Engagement, Kreativität und Professionalität schlichtweg begeistert.
Giselher Smekal, Ö1 (oe1.orf.at)
Eine Jazz Werkstatt in Wien
Jazz kann nicht einfach gelehrt werden. Jazz ist eine Art Handwerk, das immer wieder erprobt werden muss, an dem man feilt, an dem man montiert, bis sich das Werkstück herzeigen lässt. Das Üben am jeweiligen Instrument ist nur ein Teil der Arbeit. Viel wichtiger sind das Entwickeln, Umsetzen und Ausprobieren musikalischer Ideen. Im Austausch der Erfahrungen erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit kreativer Neuerungen. In der “Jazz-Werkstatt Wien” haben einige junge Jazzmusiker ein Projekt realisiert, welches genau diesen kreativen Raum verwirklicht, den eine Werkstätte bieten soll: Für vier Wochen wurden die Räumlichkeiten des WUK in Wien zu Probe- bzw. Arbeitsplätzen für jazz-interessierte Musiker, die hier unter Anleitung von 28 Profi-Musikern ihre musikalischen Ideen austauschen und realisieren können.
Vom 21. März bis zum 17. April 2005 wird das WUK als Arbeitsplatz benutzt, wobei die Probensituation nahtlos in eine konzertante übergehen kann, denn an jedem Abend gibt es ein Konzert. Die Proben am Nachmittag sind ebenso frei zugänglich wie die abendlichen Konzerte. Die Initiative ging von sechs Musiker der Wiener Jazz-Szene aus: Clemens Salesny, Wolfgang Schiftner, Clemens Wenger, Daniel Rieger, Peter Rom und Bernd Satzinger.
Das Konzept reicht aber noch weiter: Proben und Konzerte werden auf fünf CDs und einem eineinhalb Stunden Film dokumentiert, um die Kreativität der jungen Musiker festzuhalten und als Beispiel vorzuführen.
Concerto Nr. 2, April – Mai 05
Idealistische Workshop-Basis: JazzWerkstatt Wien, 21.3. – 17.4.
Als „Kunstkonzept, öffentlicher Arbeitsplatz und Veranstaltungsrahmen“ versteht sich die JazzWerkstatt Wien , die am 21. März im WUK-Museum in Wien ausgerufen wurde und noch bis 17. April eine tägliche Leistungsschau der jungen Jazzszene ermöglicht. Pianist Clemens Wenger war, inspiriert durch die Workshop-Band-Philosophie Charles Mingus’, der Initiator, er suchte und fand Verbündete in den Saxofonisten Clemens Salesny und Wolfgang Schiftner, dem Bassisten Bernd Satzinger, dem Posaunisten Daniel Riegler und dem Gitarristen Peter Rom. Diese sechs jungen Musiker im Alter von 23 bis 33 werden im WUK in öffentlichen Proben ausschließlich eigene Musik erarbeiten bzw. ihrerseits Ensembles einladen, dies zu tun: Auf diese Weise soll Ideen Raum gegeben werden, die diesen sonst nirgendwo finden. Abends werden in Konzerten die Resultate präsentiert. Alle Musiker sowie Techniker und PR-Leute arbeiten ehrenamtlich und ohne öffentliche Gelder, der Eintritt ist dennoch frei.
jazzzeit Nr. 53, März – April 05 – Heike Kappes
Kreativ und Initiativ: Jazz Werkstatt Wien
Sechs junge Jazzer konzipierten und organisierten ein beispielhaftes Projekt, das im März/April im WUK stattfindet.
Musik ist auch Arbeit. Da geht es natürlich zum einen um das Üben am jeweiligen Instrument, aber auch um das Entwickeln, Ausprobieren und Umsetzen musikalischer Ideen. Kreativität braucht Raum und Zeit und ihr Potential ist im Team, d.h. im Austausch mehrerer, in der Regel ungleich höher. Mit der Jazz Werkstatt Wien haben sechs, in der Szene längst nicht mehr unbekannte, junge Jazzer, Clemens Salesny, Wolfgang Schiftner, Clemens Wenger, Daniel Riegler, Peter Rom und Bernd Satzinger ein Projekt organisiert, das für 4 Wochen genau diesen kreativen Raum schaffen soll.
Gemeinsam mit einem Pool von 28 Profi(Jazz)-musikernInnen werden sie, in bereits bestehenden als auch neu zu bildenden Formationen, vom 21. März bis 17.April die Räumlichkeit des WUK Museums als Arbeitsplatz nutzen, wobei die Probesituationen nahtlos in eine konzertante, d.h. ein Konzert am Abend, übergehen wird. Gearbeitet wird ausschließlich an eigenem Material der Mitwirkenden, „wobei das Hauptaugenmerk auf der Ausschöpfung des kreativen Gruppenpotentials sowie der kollektiven Improvisation liegen soll“, so die Organisatoren. Sowohl die am Nachmittag stattfindenden Proben als auch die Abendkonzerte sind öffentlich und frei zugänglich, der Kontakt zum Publikum ist ausdrücklich erwünscht – durch Kontakte, die bereits zu Schulen hergestellt werden, auch zu potentiellem neuen Publikum bzw. Musikernachwuchs.
Das Konzept reicht aber noch weiter: Proben als auch Veranstaltungen werden in Ton und Bild dokumentiert, konkret geplant ist eine Veröffentlichung der Ergebnisse in Form von 5 CDs und ca. 1,5 Stunden Film. Mit begleitender Öffentlichkeitsarbeit und einer professionell gestalteten Homepage soll hier aktiv auf die Lebendigkeit der Szene und die Arbeiten der teilnehmenden MusikerInnen aufmerksam gemacht werden. Zielsetzung ist auch, hier ein Konzept zu entwickeln, das zur Übernahme z.B. in anderen Bundesländern inspiriert, aber auch zur Adaption für andere Kunstsparten geeignet ist. Statt über schlechte Zeiten oder Rahmenbedingungen zu jammern, setzt hier eine junge Musikergeneration ein starkes Zeichen. Ein entsprechender Output lässt sicher auch nicht lange auf sich warten.
Kurier, 23. 03. 2005 – Karin Mück
Junge Jazz-Szene lädt zu mehr als 20 Tagen Improvisation ins WUK
An die 30 Jazz-Musiker haben sich unter der Patronanz von bereits auch international erfahrenen Kollegen, um bis 17. April im WUK gemeinsam zu musizieren sowie improvisieren. Ausgehend von Clemens Wenger (Keys, Piano), Peter Rom (Gitarre), Clemens Salesny und Wolfgang Schiftner (sax), Daniel Riegler (Posaune, Horn) sowie Bernd Satzinger (Bass) ist eine temporäre Plattform für neue Strömungen im Jazz entstanden: Während des Tages als „Work in Progress“ – abends als Live-Club. So feiert am Donnerstag das Bernd-Satzinger-Trio mit Eigenkompositionen Premiere. Am Karfreitag heißt es: „Komm sing mit…“ Geboten wird Musik für ein großes Ensemble mit Werken von Daniel Riegler. Samstag lädt Daniel Riegler zum Osterspezial „Der Pfui-Teufel“. Ostersonntag ist auch unter den Jazzern der „lange-ohren-tag“, und am 28. März stellt das Peter-Rom-Trio seine neue CD vor.
Der Standard, 23. 03. 2005 – Andreas Felber
Genug gemotzt, jetzt wird selbst Hand angelegt! So dachten einige Wiener „Nicht-mehr-Nachwuchs“-jazzer“, als sie entschieden, anstatt sich bei den Clubs um Gigs anzustellen, selbst als Veranstalter in Erscheinung zu treten. Die so ausgerufene „JazzWerkstatt Wien“ versteht sich als „Kunstprojekt und öffentlicher Arbeitsplatz“. Pianist Clemens Wenger war, inspiriert durch die Workshop-Band-Philosophie Charles Mingus’, der Initiator, er suchte und fand Verbündete in den Saxofonisten Clemens Salesny und Wolfgang Schiftner, in Bassist Bernd Satzinger, Posaunist Daniel Riegler und Gitarrist Peter Rom. Diese sechs Mannen im Alter von 23 bis 33 Jahren werden in öffentlichen Proben Musik erarbeiten und Ensembles einladen, selbiges zu tun – und das Resultat allabendlich präsentieren. Heute wird des Saxofonisten Hans Koller gedacht, morgen feiert das Bernd-Satzinger-Trio seine Bühnenpremiere. Clemens Wenger wird einen Abend „in memoriam“ seiner eigenen Person abhalten – im Duo, mit Big Band und mit Gästen wie Max Nagl. Eine bunte Leistungsschau der jungen Kräfte, vielleicht aber auch ein Ausblick auf die Stilzukunft.
CITY – Magazin, März 2005
Währing jazzt
Mit einem außerordentlich interessanten Programm startet die „Jazzwerkstatt“, ein Kollektiv aus 30 Musikern, die allesamt als Zukunftshoffnungen gelten. Unter der Leitung von Clemens Salesny, Wolfgang Schiftner, Daniel Riegler, Clemens Wenger, Peter Rom und Bernd Satzinger verwandeln sie die Währinger Straße in die 52nd Street und das WUK in eine Jazz-Hochburg. Von 21. März bis 17. April darf jeder Interessierte die Musiker untertags beim Proben und Improvisieren beobachten, sich mit ihnen austauschen und abends Sessions in Party-Atmosphäre genießen. Bei freiem Eintritt wohlgemerkt, denn alle Beteiligten arbeiten gratis mit, um sich endlich einer breiten Öffentlichkeit vorstellen zu können.